Bildbetrachtung zur Jahreslosung

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob. (Römer 15,7)

Ein großes Kreuz leuchtet vor dem tiefblauen Himmel. Es ist nicht starr, nicht gerade gebaut, sondern geschwungen. Dennoch steht es fest im Boden. Es scheint in Bewegung zu sein, es scheint sich ein wenig zu neigen. Es lenkt unseren Blick auf die Menschengruppen, die unter dem Kreuz stehen. Sie stehen da und wenden sich uns zu. Sie sind anonym, gesichtslos, und es sind viele. Die rechte Gruppe passt nicht mehr auf das Bild, die Menschenreihe geht immer weiter.

Es könnten Flüchtlinge sein, Asylsuchende, davon gibt es im Moment so viele. Wir sehen sie im Fernsehen und in unserer Stadt – wenn wir genau hingucken. Es könnten aber auch andere ausgegrenzte Gruppen sein, die in unserer Gesellschaft keinen Platz gefunden haben. Sie sind getrennt von uns durch Mauern und Stacheldraht in unseren Herzen. Wir stehen auf der einen Seite, sie auf der anderen. Wir stehen uns gegenüber und schauen uns an.

Aber wenn wir genau hinsehen, erkennen wir, dass das Kreuz bei ihnen steht, auf ihrer Seite. Ein großes leuchtendes Kreuz. Als ob es sie beschützen will mit seiner Neigung, als ob es ihnen Halt geben will. Sie sind nicht allein.

Und wir? Wenn wir auch zu dem Kreuz hingehen wollen, führt uns unser Weg mit diesen Menschen zusammen. Wir müssen über Steine klettern, den Stacheldraht durchschneiden und uns begegnen. Wir müssen zuhören und reden, uns gegenseitig helfen und miteinander leben. So gut es geht. Mit Gottes Kraft. Mit unseren Möglichkeiten. Mit unserer Kreativität. Zu Gottes Lob. Sehen wir genau hin, Gottes Lob ist schon da. Mitten unter ihnen und unter uns.

Eine Bildbetrachtung von Marion Bischke-Heimes