Drei Abende im November

Alltäglich glauben … und hören!

Dieser kurze Bericht soll uns informieren, aber mehr noch anregen, die Texte und Fragen im Hauskreis, in der Familie, in einem Gesprächskreis zu thematisieren. Das wäre schön, weil dann die inhaltlichen Anregungen in der Gemeinde weiterwirken können. Wir hatten in kleinen Gruppen und im Plenum anregende Gespräche, die sicher weiterwirken, wann immer wir hörend beten.

Claudia Sokolis und Manfred Kasemann leiteten die Abende, sie lösten sich bei den einzelnen Elementen ab. Unterschiedlich wurden die verschiedenen Methoden aufgenommen. Es gab Bewegung und inhaltliche Impulse, Videofrequenzen, Lieder und Gesprächsrunden. Die offenen Diskussionen haben gezeigt, dass die Thematik aktuell ist.

Am Dienstag stiegen wir ein mit 1. Samuel 3, Verse 1 – 18, Samuels Berufung.
Die Fragen, die wir am Beispiel Samuels bearbeiteten, waren im übertragenen Sinne:
Wie höre ich auf Gott?
Höre ich, dass es Gott ist, der mich anspricht und wie geschieht das?
Was hindert mich daran, (auf) Gott zu hören?

Habe ich jemanden, der mir einen Hinweis geben kann, wie Eli bei Samuel?

 

Am Mittwoch waren die Vision des Petrus und seine Begegnung mit Kornelius die Ausgangssituation, die uns zu Apg. 11, Verse 1 – 8, führte.

Die Mitglieder (V1) der Jerusalemer Gemeinde waren empört, weil Petrus zu den Heiden gegangen war. Sie hörten dann aber – trotz ihrer Empörung – dem Bericht zu und waren danach überzeugt. Die Folge war u. a. die Gründung heidenchristlicher Gemeinden (Vers 11 folgende). In einem kurzen Video wurde deutlich, dass es biblisch ist, ohne Vorverurteilung zu hören. Jesus sagt: „Richtet nicht, so dass ihr auch nicht gerichtet werdet“.
Wenn wir versuchen zu hören, still zu sein, kommen manchmal Dinge hoch, die in uns schlummern und unbewältigt sind: „Wir stoßen im stillen Gebet oft zunächst auf unser „inneres, unterdrücktes Gerümpel!“ hieß es in dem Video.

Wir haben uns gefragt:

Was ist die Voraussetzung dafür, dass ich hören kann ohne gleich abzublocken?

Wo erlebe ich Verurteilung/Urteile in meinem Alltag, wo verurteile ich?

Was ist die Voraussetzung (für mich) auf andere hören zu können?

 

Am Donnerstag stand Römer 8, 18 – 27, im Mittelpunkt, besonders V. 19, 22 und 23.

19 „Ja, die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden“… 22 Wir wissen allerdings, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch unter ihrem Zustand seufzt als würde sie in Geburtswehen liegen. 23 Und sogar wir, denen Gott doch bereits seinen Geist gegeben hat, den ersten Teil des künftigen Erbes, sogar wir seufzen innerlich noch, weil die volle Verwirklichung dessen noch aussteht, wozu wir als Gottes Söhne und Töchter bestimmt sind: Wir warten darauf, dass auch unser Körper erlöst wird. (Neue Genfer Übersetzung)


Nach dem Einstieg mit Lied und Gebet folgte ein kurzes Video, dessen Inhalt sich hier aber nicht kurz wiedergeben lässt. Im Anschluss daran erarbeiteten wir in Gruppen Antworten auf die Fragen zum Text:

1. Welche Lebens-Sehnsüchte habe ich konkret bei Mitmenschen wahrgenommen?

2. Ist die Sehnsucht eine Sprache Gottes ?

3. Kann ich mich als Mitseufzender auf das Seufzen des anderen einlassen?

 

Zu den Fragen wurden in den Gruppen verschiedene Antworten und Anregungen gefunden, einige haben wir im Plenum ausgetauscht. Jede und jeder von Ihnen möge versuchen, sie für sich zu beantworten oder in einer Gruppe Antworten zu finden und weiter darüber nachzudenken.

Zu Frage 1: In vielen Publikationen, gerade im nichtchristlichen Bereich, werden Sehnsüchte deutlich. Es gibt unendlich viel Sehnsucht nach wahrem Leben in unserer Gesellschaft verborgen unter vielfältigen, auch kuriosen Angeboten. Diese Sehnsucht zu erspüren bei anderen, aber nicht zu bewerten, bedarf eines ständigen Einübens. Wie wir im Glauben Antwort auf unsere eigene Sehnsucht gefunden haben, wird dann eher gehört werden, wenn wir zuvor aufmerksam zugehört haben und geduldig uns in der Welt des anderen ein wenig vertraut gemacht haben! Einfühlsames Fragen führt weiter.

 

Frage 2 wurde unterschiedlich mit Ja und mit Nein beantwortet. Manfred Kasemann stellte einen Satz von Paul Michael Zulehner, einem österreichischen Theologen, vor:
„Die Sehnsucht im Menschen spiegelt die Sehnsucht Gottes nach dem Menschen wider.“
Wir haben dies nicht weiter diskutiert, sondern als „Hausaufgabe“ in Verbindung mit 7 Thesen von Paul Zulehner mit nach Hause genommen. Diese 7 Thesen finden Sie unten.
Zu Frage 3 haben wir überlegt, wie wir durch unser „Mitseufzen“ mit Suchenden und Fragenden gemeinsam auf dem Weg sein können. Eine nur scheinbar einfache Antwort war: `Die einfachste Art Liebe zu geben und zu üben besteht darin, einfach zuzuhören. `
Jesu Reaktion in Mk. 12, V. 34, macht deutlich, dass Glaubende und Nichtglaubende oft nicht sehr weit voneinander entfernt sind. Er sagt: „Du bist nicht weit entfernt vom Reiche Gottes.“

 

Am Schluss stand die Frage:
Was nehme ich heute, was nehme ich von den Gemeindeabenden mit?

Die Teilnehmer an den Abenden werden sich mit der „Wunschliste“ (Text von Friederun Krautwurm) weiter beschäftigen:
Ich möchte gern einer sein, der hört (Dienstag),
der hört, losgeht und tut, was er hört (Mittwoch) und
der beim Gehen noch ein Hörender bleibt (Donnerstag).
Ich wünsche uns, dass das „Hörende Gebet“ immer wieder ein Thema für unsere Gemeinde ist, auch und gerade im Hinblick auf unsere Überlegungen zu unseren Aufgaben als Gemeinde an unserem Standort in Altona.
Harald Frey

 

 

Die 7 Thesen von Paul Zulehner

 

  1. Welche Sehnsucht bewegt dich? Woher kommt deine Sehnsucht? Aus des Herzens Tiefe? Aus einem konkreten Leiden? Was ist das Ziel Deiner Sehnsucht?
    Kurzum: Was suchst Du, was oder wer bewegt dich?
  2. Welchen spirituellen Weg hast Du eingeschlagen? Mit welcher Gruppe gehst du? Woran orientierst du dich auf deinem Weg?
  3. Wenn du dich selbst ehrlich prüfst – führt dich der eingeschlagene Weg zur Erfüllung deiner Sehnsucht? Kommst du auf dem Weg deiner Sehnsucht wenigstens ein Stück voran?

Einen solchen Weg zu gehen, zumal mit einem Menschen, den man schätzt und der einem traut, ist für einen selbst riskant. Nahe liegt, dass die Andere, der Andere anfängt, Gegenfragen zu stellen:

  1. Und welche Sehnsucht treibt dich selbst spirituell?
  2. Welche Qualitäten hat die Gemeinschaft, mit der du spirituell unterwegs bist?
  3. Hat denn dein Weg deine Sehnsucht stillen können? Bist du bei Gott angekommen?
  4. Und schließlich die zentrale Frage nach der inneren Strahlkraft unseres Weges und seiner Repräsentation durch uns:
    Welche Qualitäten bietet er, dass man sich von ihm eingeladen fühlen sollte?
    Und wenn ich ein christlicher Gesprächspartner bin, kann die Frage lauten:
    Was ist christlich an deinem spirituellen Weg? Was ist ähnlich allen spirituellen Wegen ( wie die Sehnsucht selbst), was ist aber auch anders, einmalig, unverwechselbar?

 

 

Paul Michael Zulehner (* 20. Dezember 1939 in Wien) ist ein österreichischer Theologe und katholischer Priester. Der seit 2008 emeritierte Universitätsprofessor gehört zu den bekanntesten Religionssoziologen Europas.
(Quelle: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Zulehner)