26. März 2021 | nachdenkenswert, Start-News

Neu am 26.3.: Andachten in der Passionszeit – immer freitags!

Andacht am Freitag, 26.März, Woche nach Judika / 26. 3. 2021.Bezugstext: Lukas 23,1-25

Vor dem römischen Statthalter Pontius Pilatus wird Jesus der Prozess gemacht. Denn nur Pilatus darf ein rechtsgültiges Todesurteil fällen und vollstrecken lassen. Ausführlich dokumentiert der Evangelist Lukas den Prozessverlauf. In der Mitte unseres Textes steht ein Satz, der aufhorchen lässt – eigentlich ist es nur eine Nebenbemerkung: An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander feind (12).

Bisher sind Herodes und Pilatus offenbar nicht gut miteinander ausgekommen. Warum eigentlich? Vielleicht konnten die beiden sich einfach nicht ausstehen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass sie sich mit Misstrauen und Argwohn gegenseitig beobachtet haben: Pilatus, Statthalter in den römischen Provinzen östlich vom Mittelmeer, und Herodes Antipas, von Roms Gnaden Landesfürst der Provinz Galiläa. Eigentlich sind die Machtverhältnisse geklärt: Pilatus hat die Hoheit über ganz Palästina, auch über Galiläa. Aber der Einfluss von Herodes auf seine Landsleute ist nicht zu unterschätzen; immerhin entstammt er der galiläischen Herrscherdynastie, etliche halten ihn für den rechtmäßigen König. Also ein angespanntes Verhältnis zwischen zwei konkurrierenden Machthabern.

Und jetzt dies: Der Hohe Rat der Juden verklagt Jesus: Er hetzt unser Volk auf. Er sagt: Zahlt dem Kaiser keine Steuern! Er behauptet: Ich bin Christus, der König! Pilatus ist ratlos, denn es gibt keine belastbaren Beweise für diese Anklage. In dieser Situation kommt Herodes dem Pilatus gerade recht. Pilatus übergibt Jesus an Herodes: „Dieser Galiläer behauptet, ein König zu sein. Das fällt in deine Zuständigkeit, damit habe ich nichts zu tun.“ Ein geschicktes Manöver: Pilatus kommt Herodes entgegen, beteiligt ihn an der Rechtsprechung. Außerdem kann er so die Verantwortung in diesem heiklen Fall auf Herodes abschieben.

Aber Pilatus‘ Taktik geht nicht auf. Zwar ist Herodes erfreut, Jesus endlich persönlich zu begegnen. Aber das Zusammentreffen verläuft enttäuschend für Herodes: Jesus verweigert sich vollständig. Herodes hat schließlich nur Verachtung für ihn übrig. Völlig unbeeindruckt von den Anklagen der Hohenpriester und Schriftgelehrten und unter dem Spott seiner Leibgarde schickt Herodes Jesus zurück zu Pilatus, in einem weißen Gewand, der Karikatur eines Königsmantels. Ein Signal an Pilatus: „Der ist harmlos! Von dem droht weder dir noch mir Gefahr. König der Juden? – Der doch nicht!“ An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde. Vielleicht, weil Pilatus als Geste des guten Willens Herodes das Urteil überlassen hat? Oder weil beide durch diesen außergewöhnlichen Angeklagten gemerkt haben: „Unsere Macht ist gefestigt, uns droht keine Gefahr, kein Aufstand, solange wir nicht gegeneinander arbeiten. Einigkeit macht stark!“

Aber nun muss Pilatus doch über das Schicksal Jesu entscheiden. Herodes hat das Dilemma nicht für ihn aufgelöst. Der Hohe Rat setzt Pilatus zu, ihr Geschrei nimmt überhand, und schließlich gibt Pilatus widerstrebend nach: Barrabas, der Aufrührer und Mörder, wird freigelassen; Jesus wird zum Tod verurteilt. Lieber einen Unschuldigen hinrichten als einen Aufstand riskieren. So mag Pilatus gedacht haben

Jesus wird das Opfer menschlicher Bosheit. Er wird das Opfer von Neid und Missgunst der Mächtigen; er wird das Opfer einer korrumpierten und versagenden Justiz. Über seinem Todesurteil verbünden sich die Machthaber. Auch später wird Jesus Anlass geben, dass Feinde zu Freunden werden, nämlich in ihrer  gemeinsamen Ablehnung, Feindschaft oder Gleichgültigkeit gegenüber Jesus. Das deutet der Evangelist Lukas hier schon an. Und Jesus geht diesen Weg. Er liefert sich der Bosheit der Menschen aus. Das klingt in dem alten Lied vom Gottesknecht des Propheten Jesaja schon an: Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Jesus geht am Bösen zugrunde – um uns daraus befreien zu können; und auch das klingt schon bei Jesaja an: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch sein Wunden sind wir geheilt. Amen.

******************************************************************************************************

Andacht am Freitag, 19.März, Woche nach dem Sonntag ‚Lätare‘/ vgl. Lukas 22,54-71


“Wer bist du?“ In der letzten Nacht Jesu müssen sich Petrus und Jesus dieser Frage stellen: „Wer bist du?“ – „Du bist auch einer von denen“, sagt jemand zu Petrus, „einer, der zu Jesus gehört. Oder etwa nicht?“ Und auch der Hohe Rat der Juden will es wissen und stellt Jesus die entscheidende Frage, die Frage auf Leben und Tod: „Bist du denn Gottes Sohn? Bist du der Christus? Ja oder nein?“ – „Wer bist du?“,  werden Petrus und Jesus gefragt, nicht wortwörtlich, aber doch sinngemäß: „Wer bist du? Was bist du? Wofür stehst du?“
Und beide, Petrus und Jesus müssen eine Antwort finden.


Darum geht es: „Wer bin ich? Was für ein Mensch bin ich? Was für eine Persönlichkeit bin ich? Was macht mich aus? Was macht mich zu dem Menschen, der ich eigentlich bin? Was macht mich unverwechselbar und einzigartig? – Wer bin ich?“ – „Und wo finde ich richtige Antwort auf diese große Frage? Bin ich das, was andere von mir denken? Oder bin ich das, was ich selbst in mir sehe? Beides ist ja möglich, aber was trifft zu? Stimmt das Bild, das andere Menschen sich von mir machen, oder ist es falsch? Stimmt das Bild, das ich mir von mir mache, oder ist es falsch? Wer hat nun recht?“


„Wer bin ich?“ Petrus ist mit dieser Frage überfordert. Überrumpelt, hilflos und in die Enge getrieben kann er nur sagen, wer er nicht ist. Genauer gesagt: Er kann nur abstreiten, wer er ist. Petrus verleugnet seinen Meister und Freund Jesus, und damit verleugnet er auch, was er eigentlich ist: nämlich einer, der mit Jesus unterwegs ist. Aber das verneint Petrus vehement: Ich bin’s nicht. Ich kenne ihn nicht. Aber wer ist Petrus dann? Ein Fels oder ein Wackelkandidat? Ein Freund oder ein Verräter?


„Wer bin ich?“ Jesus weiß, wer er ist. Jesus hat ein eindeutiges und ungebrochenes Selbstbewusstsein. Und so kann er souverän antworten. Ja, er hält seine Antwort vorerst noch zurück; stattdessen konfrontiert er seine Gegner mit ihren unredlichen Absichten: Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir nicht glauben! Und wenn ich euch etwas frage, werdet ihr nicht antworten. Die Männer des Hohen Rates wollen nicht wissen, ob Jesus Gottes Sohn ist, damit sie ihn verehren könnten. Sondern sie suchen einen Vorwand, um Jesus beseitigen zu können. Jesus hat seine Gegner durchschaut.

Jesus weiß, wer er ist. Und er sagt dann auch, wer er ist: „Ich bin es: der Christus, der Sohn Gottes, und auch der Menschensohn, der von Gott eingesetzte Weltenrichter.“ Dieses Bekenntnis bringt die Entscheidung. Der Hohe Rat fällt sein Urteil: „Gotteslästerung! Schuldig!“ Nun gibt es kein Zurück mehr. Das Bekenntnis Jesu bewirkt sein Todesurteil.

„Wer bist du?“ – Petrus verleugnet seinen Meister und Freund, er verleugnet seine Überzeugung und seine Identität, seine eigene Person – und kommt dadurch mit dem Leben davon. Jesus bekennt sich zu sich selbst, zu seiner Sendung und zu seinem Vater im Himmel – und das bringt ihm den Tod.

„Wer bist du?“ Ja, wer bin ich? Was bin ich? Wer kann mir das sagen? Auch Dietrich Bonhoeffer hat diese Frage umgetrieben; wenige Wochen vor seiner Ermordung hat er diese Gedanken im Gefängnis niedergeschrieben:

Wer bin ich? Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
Amen.

******************************************************************************************************

Andacht am Freitag, 12.März, Woche nach dem Sonntag ‚Okuli‘
(vgl.) Jesaja 42,1-7 / Lk 22,39-53

Wir Menschen sind empfindende Wesen, manchmal empfindsam, manchmal empfindlich. Wir Menschen haben Gefühle, Gefühle unterschiedlichster Art. Wir erleben die ganze Spannweite zwischen heller Freude und schwärzester Trauer, zwischen höchstem Glück und tiefster Verzweiflung, zwischen Heldenmut und Todesangst – nur einige Beispiele unserer vielfältigen Gefühlswelt. Durch unsere Gefühle reagieren wir auf das, was uns geschieht, unwillkürlich. Und je nachdem, was uns geschieht, kann unser Gefühl manchmal sehr plötzlich umschlagen, sprichwörtlich von „himmelhoch jauchzend“ in „zu Tode betrübt“. Und wir können unsere Gefühle zwar wahrnehmen, vielleicht auch benennen, aber nicht über sie bestimmen. Im Gegenteil: Unsere Gefühle bestimmen uns. Unsere Gefühle setzen uns in Bewegung oder lähmen uns. Wir können sie nicht unterdrücken, höchstens verbergen.

Jesus betet nachts im Garten Gethsemane. Und dort, in der Dunkelheit, steigen in ihm die Gefühle hoch, die ihn seit Tagen beherrschen. Jesus hat Angst – Todesangst. Nur mit Mühe reißt er sich von seinen Freunden los. Sein verzweifeltes Gebet legt seine Not und Seelenqual offen: „Vater, wenn es möglich ist, dann lass mich diesen Leidensweg nicht gehen!“ Jesus kommt an seine Grenzen. Er schwitzt buchstäblich Blut vor Angst, er ringt mit dem Tod, er betet um sein Leben. Hier ist Jesus ganz und gar Mensch, durch und durch Mensch. Obwohl er der Sohn Gottes war, lernte er doch durch sein Leiden, gehorsam zu sein (Heb 5,8 NL), heißt es im Hebräerbrief. Jesus zerbricht fast an seinen Gefühlen, an seiner Angst und seiner Bedrängnis.

Aber Jesus zerbricht nicht völlig, sondern richtet sich wieder auf – Gott richtet ihn wieder auf. Das flackernde Lebenslicht Jesu erlischt nicht, sondern glimmt weiter – und Gott facht es neu an. Jesus ringt sich dazu durch, seinen Weg weiterzugehen, seinem Vater treu zu bleiben. Nach dem Gebet in der Dunkelheit kann Jesus seine Angst hinter sich lassen. Er überwindet sich selbst. Jesus verleugnet sich selbst und nimmt sein Kreuz auf sich: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. In seiner letzten Nacht durchlebt Jesus die ganze Spannweite menschlicher Gefühle. Aus tiefster Verzweiflung und Todesangst gelangt er zu neuem Mut und Gelassenheit. Ruhig und selbstbewusst geht Jesus seinen Weg weiter. Als er verhaftet wird und die Lage eskaliert, unterbindet er den gewaltsamen Widerstand seiner Jünger, zu ihrem eigenen Schutz vor der bewaffneten Übermacht. Jesus heilt den verletzten Knecht des Hohenpriesters. Und er hält seinen Gegnern gleichsam einen Spiegel vor: Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnen musstet? Jeden Tag war ich im Tempel. Warum habt ihr mich nicht dort festgenommen? Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht  (52f. HfA).

Jesus leistet keinen Widerstand. Freiwillig begibt sich in die Gewalt seiner Gegner und geht weiter den Weg ans Kreuz. Denn der Garten Gethsemane war nur ein Aufschub. Am Kreuz auf dem Hügel Golgatha wird Jesus sein Leben verlieren, unter unvorstellbaren Schmerzen, unter dem Gespött der Zuschauer. Und diesmal wird kein Engel kommen, um ihm beizustehen. Ist Jesus am Ende doch gescheitert, zerbrochen, erloschen? Der Hebräerbrief öffnet uns eine andere Sicht auf das Leiden Jesu und auf seine Menschlichkeit: Obwohl er der Sohn Gottes war, lernte er doch durch sein Leiden, gehorsam zu sein. Auf diese Weise hat Gott ihn zur Vollendung gebracht; und er wurde der Retter für alle, die ihm gehorchen (Heb 5,8f. NL). So fällt auch auf die Dunkelheit von Gethsemane und Golgatha schon ein Lichtstrahl des Ostermorgens.

Henning Worreschk, Diakon Kreuzkirche Neumünster / Christuskirche Altona

******************************************************************************************************

Andacht am 5.3.2021

Diese Passionsandacht bezieht sich auf zwei Texte aus der Bibel: 1. Mose 11,1-9 und Lukas 24,22-38; ich lade Sie ein, diese Texte in ihrer Bibel nachzuzulesen. Da geht es um die Frage:]

„Wer ist der Größte?“ Oder: „Wer ist die Größte?“ Diese Frage bestimmt unterschwellig unser Reden und unser Handeln, mehr als es uns vielleicht bewusst ist. Und da geht es nicht um einen fairen Wettkampf, um ein freundschaftliches Kräftemessen, sondern es geht um die Macht: Es geht darum, wer das Sagen hat, wer bestimmt, was die Anderen tun sollen. Machtstreben und Hochmut sind so alt wie die Menschheit. Das lesen wir schon in der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Das Streben nach Macht treibt Menschen zu Höchstleistungen: „Wir wollen einen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. Wir wollen die Größten sein: Alles überblicken, auf die Kleinen herabsehen, uns selbst ein Denkmal setzen, uns selbst an die Gottes Stelle setzen. Wir brauchen Gott nicht.“

Was die Bibel hier so anschaulich erzählt, das geschieht heute noch genau so, in allen Lebensbereichen. In der Politik ringen die Nationen um die Vormachtstellung auf der Erde: „Unser Land kommt zuerst! Wir sind die Größten! Wir bestimmen den Kurs der Weltpolitik!“ Unser gesellschaftliches Zusammenleben ist von Überheblichkeit geprägt: „Wir teilen unseren Wohlstand doch nicht mit jedem. Unsere Kultur, unsere Zivilisation ist allen anderen überlegen – darum müssen sich alle anderen nach uns richten.“ Der menschliche Hochmut macht auch vor der Gemeinde Jesu, vor der Kirche nicht halt. Auch da werden Machtkämpfe ausgetragen. Die einen behaupten: „Zu einem richtigen Gottesdienst gehören die alten, bewährten liturgischen Formen.“ Andere halten dagegen: „Das sind leere Worthülsen! Ein Gottesdienst ist nur dann echt, authentisch, wenn wir ganz normal reden, wie im Alltag.“ Oder: „So wie wir das Abendmahl feiern, ist es richtig – und nur so. So wie wir die Taufe praktizieren, ist es richtig – und nur so. So wie wir Gott anbeten, mit genau diesen Liedern, ist es richtig – und nur so!“ – Eigentlich ist die heutige Vielfalt der Frömmigkeitsstile und der spirituellen Formen ein großer Reichtum und durchaus wünschenswert. Problematisch wird es, wenn die Auseinandersetzung um bestimmte Formen zur Machtfrage wird, wenn ein Stil, eine Form absolut gesetzt wird und alle anderen Formen abgelehnt und herabgewürdigt werden – oder auch nur mitleidig belächelt: „Ach, die nun wieder!“ Vielleicht ist das die schlimmste Form des Hochmuts, wenn uns die Anderen gleichgültig sind, wenn wir sie herablassend behandeln und verachten.

Jesus geht einen ganz anderen Weg. Er strebt nicht danach, der Größte zu sein. Jesus geht den Weg der Demut. Jesus, der Rabbi, der Meister, macht sich zum Diener und wäscht seinen Jüngern die Füße, so erzählt es das Johannesevangelium. Jesus ist sich nicht zu schade, niedere Dienste zu tun, Sklavenarbeit zu verrichten, die Drecksarbeit zu machen. Jesus muss auch nicht den starken Mann spielen. Er steht zu seiner Verzagtheit, zu seiner Todesangst; und er sucht die Gemeinschaft und den Trost seiner Freunde. Jesus entlarvt unsere allzu große Selbstsicherheit; er konfrontiert uns offen mit unseren menschlichen Schwächen und befreit uns liebevoll von unserer Selbsttäuschung. Jesus setzt nicht auf Reichtum und Wohlstand. Er weiß, dass er, dass wir in allem von unserem Vater im Himmel abhängig sind. Jesus ermutigt uns, äußerliche Sicherheiten loszulassen. Stattdessen sollen wir bereit sein, aufzubrechen in unsichere Zeiten und auf unsichere Wege. Diese Wege können geistlich herausfordernd sein. Auf diesen Wegen muss sich unser Glaube bewähren. Auf diesen Wegen kann unser Glaube aber auch wachsen.

Solch einen Weg geht Jesus: Den Weg der Demut, den Weg der radikalen Ehrlichkeit, den Weg der Gewaltlosigkeit. Und darin zeigt sich wahre Größe. Jesus sagt es so: Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn – Jesus – ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele (Mk 10,43ff.). Amen.

Henning Worreschk
Diakon Kreuzkirche Neumünster / Christuskirche Altona
******************************************************************************************************

Andacht am Freitag, 26.Februar

Zur Zeit Jesu war das Passafest das wichtigste Fest des Volkes Israel. Dieses Fest hält die Erinnerung an die Geschichte Israels lebendig. Gott hat sein Volk befreit; er hat es vor dem nächtlichen Strafgericht bewahrt und noch in der gleichen Nacht aus der Sklaverei herausgeführt. Dieses befreiende Handeln Gottes ist zu einem zentralen Bekenntnis Israels geworden: „Wir waren Sklaven des Pharao in Ägypten, der Herr aber führte uns mit starker Hand heraus aus Ägypten; und der Herr tat vor unseren Augen große (…) Zeichen und Wunder an den Ägyptern, am Pharao und an seinem ganzen Haus; uns aber führte er von dort heraus, um uns (…) das Land zu geben, wie er es unseren Vorfahren geschworen hatte(5Mo 6, 21-23, ZB). „Wir waren Sklaven – jetzt sind wir freie Menschen“. Daran erinnern sich die Israeliten seither bei jedem Passafest. Im Mittelpunkt des Passamahls steht ein Opferlamm. Denn das Blut des Lamms, das die Israeliten an den Türrahmen gestrichen hatten, war damals das Zeichen der Bewahrung. Die Bewohner dieser Häuser blieben verschont.

Kurz vor seinem Tod feiert Jesus noch einmal das Passafest mit seinen Jüngern. Aber es ist anders als sonst: Die Feier wird überschattet von dem Leidensweg, den Jesus gehen wird. Denn Jesus hat den Jüngern sein Leiden und Sterben schon angekündigt. Die übliche Festfreude will sich nicht so recht einstellen. Und auch Anderes ist bei dieser Feier außergewöhnlich:

  • Für Jesus und seine Jünger ist in Jerusalem schon ein Raum vorbereitet. Die beiden Jünger müssen sich nur noch um das Mahl kümmern. Alles ist vorbereitet – alles wird so kommen, wie es kommen soll.
  • Jesus weiß und spricht es aus, dass dies sein letztes Passa, ja seine letzte Mahlzeit ist, bevor sein Leidensweg beginnt. Jesus bekennt offen, wie wichtig ihm die Mahlgemeinschaft mit seinen Freunden ist. Sie gibt ihm Kraft für das, was ihm bevorsteht. Denn für diese seine Freunde wird Jesus sein Leben hingeben.
  • Doch die Gemeinschaft ist gestört. Jesus selbst bringt die Störung zur Sprache: Siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch (Lk 22,21). Die Jünger sind fassungslos: Ein Verräter unter ihnen – wer mag das sein? Judas schweigt. Doch Jesus schließt ihn nicht aus. Auch Judas darf an der Gemeinschaft teilhaben, am Mahl teilhaben – auch wenn auf seinem Leben die ungeheure Last des Verrats liegt.
  • Und dann gibt Jesus beim Mahl den alten Zeichen eine neue Bedeutung: „Das Brot steht für meinen Leib, der für euch hingegeben wird. Der Kelch steht für den neuen Bund, der durch mein Leiden in Kraft gesetzt wird.“ Brot und Kelch weisen so voraus auf das, was das Leiden und Sterben Jesu bewirken wird: Befreiung und Bewahrung, wie damals in der ersten Passanacht. Im Leiden Jesu handelt Gott selbst: Er befreit Menschen aus der Sklaverei der Sünde; und er bewahrt Menschen vor den Folgen ihrer Schuld, er hält sein eigenes Gericht zurück. Ja, in Jesus nimmt Gott selbst die Konsequenz der Sünde auf sich; er nimmt unsere Schuld von uns und hebt sie auf. Damals in der ersten Passanacht war das Blut des Opferlamms das Zeichen der Befreiung und Bewahrung. Und jetzt wird das Kreuz Jesu zum Zeichen der Befreiung und Bewahrung. So dürfen wir als Christen vertrauen und bekennen: In Christus hat Gott selbst gehandelt und hat die Menschen mit sich versöhnt. Er hat ihnen ihre Verfehlungen vergeben und rechnet sie nicht an. Diese Versöhnungsbotschaft lässt er unter uns verkünden. (…) Gott hat Christus, der ohne Sünde war, an unserer Stelle als Sünder verurteilt, damit wir durch ihn vor Gott als gerecht bestehen können. (2Kor 5,19, GNB).

So heißt es im 2Kor Kap. 5; und das JohEv (3,16) bekräftigt:
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Henning Worreschk