Einblick & Ausblick: Trost in dunklen Zeiten

Wenn die Schwalben nicht mehr fliegen.

Und wenn die Züge nicht mehr fahrn.

Wenn Tanker tot im Hafen liegen

und nur noch Erinnerung bewahrn.

Und wenn die Dichter nichts mehr schreiben.

Und wenn die Maler nichts mehr sehn.

Wenn ihre Bilder Leinwand bleiben.

Und leere Seiten Schlange stehn.

Dann trittst du manchmal ein, willst zu Gast bei mir sein.

Nimmst mir ab, was ich trag, du machst Licht, es wird Tag.

Als trät‘ ich bei dir ein, darf zu Gast bei dir sein.

Ich leg ab, was ich trag.  Es wird hell.  Es ist Tag.

Und wenn Gebete nur noch leiern.

Und wenn die Bibel eisern schweigt.

Wenn Stolz und Zweifel Hochzeit feiern.

Und keine Zuversicht sich zeigt.

Und wenn die Lieder nicht mehr klingen,

die Angst das Notenblatt versteckt.

Wenn alles schweigt anstatt zu singen.

Wenn Zorn die eignen Wunden leckt.

Und wenn es einfach nicht mehr läutet.

Und wenn kein Brief im Kasten liegt.

Wenn beinah nichts mehr was bedeutet.

Und nichts die Einsamkeit besiegt.

Und wenn die Füße nicht mehr tragen.

Und wenn die Augen kaum noch sehn.

Wenn spröde Lippen nichts mehr sagen.

Und taube Ohren nichts verstehn.

Dann trittst du manchmal ein, willst zu Gast bei mir sein.

Nimmst mir ab, was ich trag, du machst Licht, es wird Tag.

Als trät‘ ich bei dir ein, darf zu Gast bei dir sein.

Ich leg ab, was ich trag.  Es wird hell.  Es ist Tag.

Jürgen Werth