1. Juli 2021 | nachdenkenswert, Start-News

Zum Lesen und Hören: Andacht zum Monatsspruch Juli 2021/ Apg.17,27 von H.Worreschk

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Apg.17,29

„Wo ist Gott?“ Das haben Menschen immer schon gefragt, und das fragen Menschen heute noch: „Wo ist Gott?“ Eine berechtigte Frage, denn der Gott, an den wir Christ:innen glauben, ist ein verborgener Gott. Wir können ihn nicht sehen oder hören, ihn nicht berühren, nicht be-greifen. Und alle Versuche, aus diesem Gott einen Gott „zum Anfassen“ zu machen, laufen ins Leere. Das hat der Apostel Paulus, der erste große Theologe der Christenheit, schon vor knapp 2000 Jahren festgestellt. Angesichts der unzähligen Tempel und Götterbilder in der Metropole Athen sagt er: Gott ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. Er ist nicht auf uns Menschen angewiesen. Er ist es doch, der uns allen das Leben schenkt (Apg 17 BB). Und dann sagt Paulus etwas Aufregendes: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. (Apg 17, 27, LÜ) Damit meint Paulus: Gott ist uns Menschen ganz nah, auch wenn wir ihn nicht sehen oder hören können. Unser Leben, unser Handeln und Tun (dafür steht hier das Wort „weben“), ja, unsere ganze Existenz ist von Gott umschlossen. Der verborgene, aber dennoch gegenwärtige Gott ist der Ursprung alles Lebens, der ganzen Schöpfung, des Universums. In einem Psalm heißt es: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Gott ist verborgen und doch gegenwärtig, überall und nirgends. Wie können wir diesem Gott auf die Spur kommen? – Tatsächlich hat der unsichtbare Gott Spuren in unserer sichtbaren Welt hinterlassen. In der Bibel z. B. sind diese Spuren Gottes in der Geschichte überliefert. Und im Zentrum der Bibel steht Jesus Christus, der Mensch, in dem der lebendige Gott so präsent war wie in keinem anderen. Hier ist er der „Gott zum Anfassen“ geworden, einer von uns geworden. Und durch seinen guten Heiligen Geist ist Gott uns heute noch nah – nur ein Gebet weit entfernt. Wir können jederzeit Kontakt zu ihm aufnehmen, beten, mit eigenen oder anderen Worten. – Zugegeben: Die verborgene Gegenwart Gottes, seine unsichtbare Nähe lässt sich nicht beweisen. Und wenn Menschen kritisch fragen: „Wo ist Gott in meinem Alltag? Wo ist er in Lebenskrisen und Krankheitszeiten? Wo ist er bei all dem unvorstellbaren Leid in der Welt?“, dann müssen auch wir Christ:innen ehrlicherweise bekennen: „Das fragen wir uns auch. Wir wissen es nicht.“ Aber wir dürfen auch immer wieder die Antwort des Glaubens wagen: Gott ist nicht fern von uns, er ist uns ganz nah, verborgen und doch gegenwärtig, hier und jetzt, in allem – und trotz allem.

Henning Worreschk