16. April 2021 | nachdenkenswert, Start-News

Bremen2 Radioandacht zum Nachhören und Nachlesen – Heute: Harfe im Himmel?

Hier geht es zur Audiodatei bei Bremen 2
(dort sollte man sich nicht vom angegebenen Titel irritieren lassen. Versehentlich wurde der Titel vom Tag davor beibehalten)

Vor knapp 14 Tagen war ich in einem besonderen ‚Hybrid‘-Gottesdienst. Hybrid gibt es als Bezeichnung der gemischten Antriebsart nicht nur bei Fahrzeugen. Ein hybrider Gottesdienst ist ein ‚gemischter‘ Gottesdienst. Da geht es allerdings nicht etwa besonders gemischt oder wild zu. Hybrid beschreibt eher die Gottesdienstbesucher. Die sind ‚gemischt‘. Einerseits sind Leute unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzvorschriften im Kirchengebäude anwesend und andererseits und gleichzeitig sind Gottesdienstbesucher zuhause vor den Bildschirmen dabei. Das kennt man ja mittlerweile aus allen möglichen anderen Veranstaltungen.

Besonders war der Gottesdienst, weil es ein ‚Hybrid-Harfen-Gottesdienst‘ war. Im Gottesdienst war eine Musikerin zu Gast, die das Instrument spielte, das auch mehrfach Erwähnung in der Bibel findet: eine Harfe. Der in der Bibel prominente König David spielte selbst auch Harfe. In einem seiner Psalmen heißt es deswegen auch: ‚Dankt dem Herrn mit Harfen, singt ihm ein neues Lied, macht das gut auf Saitenspiel mit Schall!‘. Gesungen wurde in dem Hybrid-Gottesdienst selbstverständlich wegen der Aerosole nicht. Aber im Harfen-Gottesdienst schwebten viele wunderbare Melodien durch die Luft. Und sie erreichten die Herzen der Leute vor Ort und an den Bildschirmen. Aufgrund der guten Kameraführung konnte man auch in der Kirche über eine zusätzliche Leinwand und an den Bildschirmen zuhause die flinken Finger der Musikerin sanft über die Saiten gleiten sehen. Ja, eine Harfe ist ein wahrlich himmlisches Instrument.

In der Bibel gibt es auch kritische Töne gegenüber dem Harfenspiel.

Das Volk Israel hatte seinen Kult und seine Gottesdienste perfektioniert. Und daraus wurden dann keine Hybrid-, sondern Hybris-Gottesdienste. Hybris heißt ‚Überheblichkeit‘: „Wir machen alles richtig, Hauptsache die Zeremonie stimmt! Das muss Gott doch gefallen, wie wir das machen!“ Durch den Propheten Amos lässt Gott den Israeliten aber ausrichten:

„Tut weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!“

Gott kommt es allem Anschein nach nicht auf die perfekte ‚Messe‘, nicht auf den brilliant gestalteten und musikalisch hochwertigen Gottesdienst an. Worauf dann?
Auch das bringt der Prophet Amos im Auftrag Gottes zur Sprache:
„Es ströme aber Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach!“
Ob im Himmel wirklich Harfe gespielt wird? Ich weiß es nicht.
Ich weiß aber, dass Gott im Himmel sich besonders freut,
wenn wir uns einsetzen für Recht und Gerechtigkeit.